Unser Alumnus Helmut Utz ist plötzlich und unerwartet verstorben. Wir trauern mit seiner Familie.

Todesanzeige - Helmut Utz


Helmut Utz starb am 07.02.2009 und wurde am 13.02.2009 auf dem Friedhof zu Kuppenheim (78456) beerdigt. Wir (Rainer Veith, Roland Kinkel, Werner Riess, Wolfgang Mallach) haben den Trauerfeierlichkeiten unseres Schulfreundes beigewohnt. Dadurch konnten wir unserem Alumnus Helmut auf seinem letzten Weg begleiten ?

In Memoriam HELMUT

Am 7.Februar ist absolut unerwartet aus bester Gesundheit mein Bruder Helmut im Alter von 48 Jahren gestorben. Sein plötzlicher Tod lässt uns seine Familie und seine Freunde absolut fassungslos zurück. Für Helmut war immer der Weg das Ziel und ich kenne niemanden, der jede Minute seines Lebens so genossen und gelebt hat wie er. Seinen Auspruch „Bleib locker Schwesterherz und mach mal keinen Stress” vermisse ich jetzt schon und ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie sehr er mir fehlt.


Trauerrede von Klaus (13.2.2009)

Hätte mich jemand letzte Woche gefragt, ob ich bereit bin, bei einem solchen Anlass über meinen Freund Helmut zu sprechen, dann hätte ich geantwortet, dass ich mich geehrt fühle und das gerne mache - in 20 oder 30 Jahren. Aus ganz eigensüchtigen Gründen, denn ich bin sicher, dass Helmut in den nächsten Jahren noch viele Feste geplant hatte. Der Plan wurde geändert, auch wenn ich es nicht verstehe und es immer noch nicht glauben kann. Als ich mir überlegte, was ich heute hier sagen soll, da sah ich immer Helmut vor mir. Er stand da und sagte nur- wie er es immer tat- Locker!

Eine Trauerrede über einen Menschen, der zum Thema Beerdigung nur gesagt hätte ?Beerdigung?- Da fällt mir ein Witz ein!? Und ich sehe Helmut, wie er ganze Abendgesellschaften mit seinen Witzen und Geschichten unterhielt. Eine Trauerrede über einen Menschen, der ein Fest einer Beerdigung vorgezogen hätte? Ich kann es also nur im Sinne von Helmut versuchen, so zu erzählen, wie er eben auch im Leben war.

Unsterblichkeit, was ist das eigentlich? Ist damit wirklich die körperliche Unsterblichkeit gemeint? Oder ist es nicht vielmehr so, das wir unsterblich sind, wenn wir im Gedächtnis und in den Erinnerungen anderer Menschen weiterleben? Wenn sich andere an uns erinnern, uns im Gedächtnis behalten, gerne an uns denken, Geschichten über uns erzählen, dann sind wir wirklich unsterblich. Ich werde Helmut nie vergessen.

Helmut sah ich zum ersten Mal während meines Studiums, etwa zur gleichen Zeit wie jetzt- Faschingszeit- vor 25 Jahren. Ich saß in einem Hörsaal, die Vorlesung hatte begonnen, da wurde die Tür geöffnet. Und da stand Helmut, oder wie man es hier sagen würde „der Utz” - in einem Kochkostüm mit einer riesigen Kochmütze auf dem Kopf. „Typisch Helmut” denken jetzt viele. Und das stimmt. Als ich Helmut einmal darauf ansprach, erklärte er mir, dass er an jenem Tag am Vorabend auf einer Faschingsparty war und diese am Morgen als letzter verließ. Schön und gut - aber kein Grund, eine Vorlesung zu versäumen. Da hinzugehen, teilzunehmen, das war für Helmut eine Pflicht. Zeit zum Umziehen war keine, also kam er so - aber er kam! Typisch Helmut: Wenn er etwas als Pflicht ansah, dann war es eine Pflicht. Basta.

Dabei war es Helmut vollkommen unmöglich - auch ohne Kochmütze - einen Raum unbemerkt zu betreten, allein schon durch seine Größe und seine Statur. Wer ihn einmal sah und ihn dann auch erlebte, der erinnerte sich an ihn. So wusste auch ich gleich, wer da die Cafeteria des Landgerichts Baden-Baden betrat, als ich Helmut einige Jahre später wiedersah. Ich war inzwischen Staatsanwalt, Helmut hatte seine Referendarzeit in Baden-Baden verbracht. Eine Referendarzeit, in der ihm ein leitender Oberstaatsanwalt in einer dienstlichen Beurteilung bescheinigte: Seine übergroße Lässigkeit entspricht seiner Persönlichkeit.

Helmut sah mich, kam auf mich zu und sagte: „Hey, ich kenn Dich!”. Genau so ist Helmut sein ganzes Leben lang auf andere Menschen zugegangen, offen und direkt, ohne irgendwelche Unterschiede zu machen, ohne Über- und Unterordnungsverhältnisse zu kennen. Nach einem kurzen Gespräch, wenige Minuten, war ich von Helmut zu einem Festle auf dem Acker eingeladen.

Er erzählte mir auch, dass er eine Anwaltskanzlei in Kuppenheim eröffnet hatte- Kuppenheim, seiner Heimat. Er konnte sich gar nicht vorstellen, wegzugehen und an einem anderen Ort zu arbeiten, zu leben.

Helmut begann seine Arbeit und es zeigte sich bald, dass er kein Benzin im Blut hatte- aber Diesel. So entwickelte er sich in kurzer Zeit zu einem deutschlandweit anerkannten Spezialisten für Verkehrsrecht- soweit es um LKWs ging. Helmut setzte von Anfang an auf moderne Technik, er war einer der ersten Anwälte, die für ihre Arbeit Computer und Internet einsetzten. Dies zeigte sich auch durch seine Homepage: www.lkwrecht.de, sein ganz besonderes Kind. Auf eine Sekretärin verzichtete Helmut, denn die hätte er überwachen müssen- aber Helmut wollte kein „Chef” sein. Helmut hatte immer seine eigenen Regeln, nach denen er lebte und arbeitete. Diese Regeln waren nur beschränkt Kompromissen zugänglich und kaum zu diskutieren, auch nicht verhandelbar. Wenn doppeltes Einkommen auch doppelte Arbeit bedeutet hätte und diese Arbeit verhinderte, dass er unter seinem Kirschbaum sitzen konnte, dann musste das nicht sein, dann war er mit dem zufrieden, was er hatte. Helmut wollte nur am Ende eines Tages sagen können: „Heute war ein schöner Tag!” Dafür tat er alles.

„Gutes Essen ist wichtig” sagte er immer und so kannte er überall in Deutschland Lokale, die einen Besuch wert sind. Ein guter Tag begann für Helmut mit dem Kreuzworträtsel in der Bild-Zeitung, gefolgt vom Frühstück in einem Café, möglicherweise einem zweiten Frühstück, dem Mittagessen, Abendessen und schließlich einem Bier oder einem Glas Wein mit Freunden.

Über Freunde sagte Helmut einmal: „Wenn mich ein guter Freund bittet, ihm 500 EUR zu leihen, dann schenke ich ihm 1000”. Als ich das nicht verstehen konnte erklärte er es mir: „Wenn mich ein guter Freund um Geld bittet, dann braucht er es wirklich. Und meist gibt er einen kleineren Betrag an, als wirklich vonnöten ist. Deshalb schenke ich ihm das Doppelte”.

Bei all den schönen Erinnerungen fällt mir auf, dass ich Helmut nie richtig böse erlebt habe, nie einen Streit mit ihm hatte. Wobei sich die Frage stellt, ob es wirklich möglich war, mit Helmut zu streiten- vorher ging er nämlich- wenn es sein musste auch ganz leise, oder wie er es nannte „auf französisch”. Ich denke, genauso typisch, so hat er sich jetzt auch von uns verabschiedet, leise, unspektakulär, kein großer Auftritt, den er sowieso nicht mochte, auf seine Art- „französisch” eben.

So schlimm es nun ist: Ich weiß, das Helmut nun keinesfalls in einem Krankenhaus liegen möchte, von Apparaten umgeben, vielleicht mit Behinderungen oder Einschränkungen. Nein, nur das nicht!

Ich denke, dass Helmut schon längst einen Stammplatz am großen Stammtisch des Himmels gefunden hat. Da sitzt er nun jeden Abend, trinkt sein Bier, erzählt Witze- und beschwert sich über das Rauchverbot.


Übrigens: auch dieses Jahr wird für Helmut sein Fest stattfinden. Wie immer- und Helmut wird dabei sein- unsterblich in unseren Erinnerungen und Gedanken.

An der Hochschule für Polizei Villingen-Schwenningen mit Unterstützung des Fördervereines vom 15.-18. Juni 2009