Heimatbuch der Gemeinde Unterkirnach

Herr Bürgermeister Gerold Löffler hat uns dankenswerterweise erlaubt aus dem Heimatbuch der Gemende Unterkirnach von Klaus Maiwald u.a Auszüge zu veröffentlichen.

Decknlatt - Heimatbuch von Unterkirnach
Deckblatt des Heimatbuchs der Gemeinde Unterkirnach

Maria Tann im Wandel der Zeit: Von der Dold'schen Spinnerei zum Aussiedlerwohnheim

Zu den ersten Betrieben der beginnenden Industrialisierung im Kirnachtal gehörte auch die Wollspinnerei Dold & Schmidt in der Nähe des sog. „Schuhmacherhäusle”.

Die Baupläne der Villinger Tuchfabrikanten Dold & Schmidt wurden erstmals im Juni 1851 im Verkündigungsblatt bekannt gemacht. (23.6.) Sie hatten sich am 6. Juni 1851 an das Bezirksamt gewandt, weil mit der Stadt Villingen ein Streit um die Baugenehmigung entstanden war. Das Bürgermeisteramt Villingen hatte das Gesuch im Mai 1851 abgelehnt, weil es gegen das Forstgesetz verstieß. Danach mußten wegen Waldbrandgefahr 400 Fuß (120 m) Abstand zum Waldrand eingehalten werden, was aber an dieser Stelle nicht möglich war.

Das Dold'sche Werk
Das Unternehmen wurde gegründet von Joh. Albert Dold, der sich 1832 als Tuchmacher in seiner Heimatstadt Villingen ansiedelte. 1835 gesellte sich Joh. Peter Schmidt aus Stollberg zu ihm. 1842 errichteten sie an der Brigach ein größeres Gebäude mil Wasserkraft zur Tuch Herstellung. 1832 kam zur Vervollständigung des Betriebes die Spinnerei im Kirnachtal hinzu. Damit hatte das Unternehmen eine eigene Weberei, Spinnerei, Färberei, Walke und Appretur. Ende 1858 trat J.P. Schmidt als Teilhaber aus. Seine Stelle übernahm Joh. Alberts Bruder Franz Joseph Dold. Fr scheint aber nicht lange beteiligt gewesen zu sein, denn um 1870 lautet der Firmenname in der Gemeinderechnung nicht mehr »Gebrüder« Dold, sondern wieder »Dold & Schmidt». (Katalog der Gewerbe-Ausstellung Villingen 1858)

Die Fabrikanten legten nun in ihrem Schreiben dar, daß in einer Spinnerei nicht mit Feuer gearbeitet würde, also auch keine Gefahr davon aus-ging. Außerdem werde Tag und Nacht gearbeitet, es seien daher immer Menschen anwesend. Schließlich seien Fabrikanlagen mit „Da wir nun aber zum coulanten Betneb unserer Tuchmanufaktur unumgänglich einer Wollspinnerei bedürfen, in dem wir durch den Mangel derselben gezwungen sind, die Wollen in einer Entfernung von 6 ja sogar 18 Stunden in württenbergischen Spinnereien mit erheblichem Zeit- und Kostenaufwand spinnen zu lassen, möchten wir es bei dem abschlägigen Bescheid nicht bewandt sein lassen.” Man solle doch auch bedenken, daß ein gewisser Schutz für die Industrie notwendig sei. „Hohe Regierung werde die Erlaubniß nicht versagen, die project. Anlage ins Werk zu setzen, da dadurch der Gemeinde Kürnach nicht allein eine Nahrungsquelle mehr eröffnet, sondern gering angeschlagen für Arbeitslohn und Auslagen eine Summe von 8-10.000 fl. jährlich im Lande bleiben wird, die eine lange Reihe von Jahren, wegen Mangel dieser Fabrikanlage, ins benachbarte Wirtembergische wandern müßte.”

Um den Villinger Sicherheitsinteressen entgegen-zukommen, boten sie an, den gegen den Wald gerichteten Giebel ganz aus Stein zu errichten und das Wehr am Gewerbekanal so anzulegen, daß der städtischen Holzflößerei kein Hindernis im Wege stehe.

Nach einem Lokaltermin genehmigte das Bezirksamt die Baupläne am 14. Juli 1851 gegen den Willen der Stadt. Einzige Auflagen waren ein steinerner Giebel und die Anschaffung einer pas­senden Feuerspritze. (GLA 383/1940/19/150) 1852 wurde zur Vervollständigung des Betriebes die .Spinnerei im Kirnachtal eingerichtet, ein zweistöckiges Fabrikgebäude, in dem bis 1882 die Wollspinnerei untergebracht war. 1854 berichtet jedoch der ?Schwarzwälder", daß in der Spinnerei von Dold & Schmidt mutmaßlich infolge Brandstiftung ein Brand ausbrach. Vielleicht sollte der ?Beweis" erbracht wer­den, daß von der Spinnerei doch eine Gefahr für den Wald ausging.

Wieviele Arbeiter aus Unterkirnach vor 1870 bei Dold & Schmidt arbeiteten, war nicht festzustel­len; viele waren es sicher nicht. Um 1876/78 wohnten zumindest der Geschäftsführer Man­schott und dessen Sohn, der ebenfalls in der Spinnerei arbeitete, in Unterkirnach. Außer ihnen waren damals nur 3-4 nach Unterkirnach zugewanderte ?Gewerbsgehilfen" in der Spinnerei beschäftigt. (GR, Umlagelisten) 1871/72 kam es zwischen der Gemeinde Unterkirnach und den Unternehmern Dold & Schmidt zu einer Kontroverse, nachdem endgültig die Gemarkung von Unterkirnach ...