Balken biegen sich weiter in Maria Tann

Samstag, 5. April 2008 - Schwarzwälder Bote Oberndorf

Nestwerk lässt Behördentermin verstreichen / Stiftungsvorsitzender beschwert sich bei Bürgermeister Löffler

Von Hella Schimkat

Unterkirnach. Es tut sich nichts in Maria Tann. Kürzlich wurde das Thema wieder in der Gemeinderatsitzung angesprochen, wobei die Räte feststellten, dass der Wandelgang weiter verfällt.

Die Auflagen vom Denkmalamt an die Stuttgarter Stiftung Nestwerk, eine zusätzliche Queraussteifung am Wandelgang anzubringen, wurden bis jetzt nicht erfüllt. Die Frist lief am 29. Februar ab. Da der Stiftungsvorsitzende Harro Schauwecker in einem Schreiben an Bürgermeister Gerold Löffler die Meinung vertritt, dass nur der Schwarzwälder Bote sich an dem Zustand der ehemaligen Klosteranlage störe, wurden Bürger zu dem Thema befragt.

Wolfgang Mallach, Polizeihauptkommissar an der Fachhochschule für Polizei in Villingen-Schwenningen, besuchte die ehemalige Schwarzwaldschule Maria Tann als Schüler. Später studierte er an der Fachhochschule für Polizei in den ehrwürdigen Mauern. Er hat regelmäßig Kontakt mit früheren Maria-Tannlern, die noch bei den Schulbrüdern lernten, erklärte er im Gespräch. Diese treffen sich einmal im Jahr und sind genauso wie er sehr traurig über den jetzigen Zustand der Anlage.

Vanessa Ramsauer, Leiterin des Tourismusbüros, meinte, der Anblick lasse sehr zu wünschen übrig. Das Gebäude mit dem vom Einsturz gefährdeten Wandelgang sei ein schlechter Empfangsbereich für Besucher, die nach Unterkirnach fahren. Sie werde oft von Gästen angesprochen, was in diesem Gebäude einmal gewesen sei. Es müsse sich um ein sehr schönes Gebäude gehandelt haben.

Kristin Jauch, frischgebackene Vizeweltmeisterin im Schlittenhunde-Skijöring, ihr Mann Meino und Nachbarn aus dem Moosloch hatten sich Maria Tann als Motto für die Fasnet ausgesucht. Entsetzt über den Anblick irrten sie im

Maria Tann

Verfall an allen Fronten in Maria Tann. Der Gebäudekomplex verrottet nach und nach.

Foto: Schimkat

Maria Tann

Nur der Friedhof der Schulbrüder in Maria Tann wird gepflegt -allerdings nicht von Nestwerk.

Foto: Schimkat

Umzug als Maria Tann-Geister umher, die verzweifelt nach Bewohnern suchten.

Gemeinderat Rolf Weißer, dem das Schreiben von Schauwecker an den Bürgermeister vorliegt, sagte: »In seinem Schreiben windet sich der Stiftungs-Vorsitzende aus allem heraus.« Es sei ersichtlich, dass er nicht vorhabe, etwas zum Erhalt der Anlage zu unternehmen. Er schiebe die Verantwortung nur hin und her. Dies sei keine Art, sich zu benehmen. Er sollte mit offenen Karten spielen. Dazu, dass Harro Schauwecker in seinem Schreiben von Schmähschriften spricht, meinte Rolf Weißer: »Das ist keine Schmähschrift, Maria Tann ist wirklich ein Schandfleck.« Weißer ist jedoch der Ansicht, dass die öffentliche Hand, wenn sie ein Interesse an dem Denkmal habe, ebenfalls ihren Geldbeutel öffnen sollte.

Gemeinderat Alois Bahr meinte, Maria Tann sei längst zum Schandfleck für Unterkirnach geworden. Nestwerk sei für die ehemalige Klosteranlage verantwortlich und solle dafür sorgen, dass sie erhalten wird. Er erinnerte daran, wie die Nestwerk-Stiftung vor Jahren mit einem Fantasiebild im Unterkirnacher Prospekt für Gäste geworben hat. Den Vorschlag von Schauwecker an Bürgermeister Löffler, die schreibende Zunft zu disziplinieren, hält er einfach nur für »lächerlich«.

Jens Löw, Gemeinderat in Brigachtal, sagte, das Gebäude sei eine Zumutung. Er sehe wöchentlich, wie es sich senke. Löw hält es für eine Unverschämtheit, dass man so ein Gebäude wissentlich verkommen lasse und dann die Medien, die sich darum kümmere, verunglimpfe, betonte er.

Einen Vorschlag zur Nutzung von Maria Tann, der Schauwecker von Horst Beiz schriftlich unterbreitet wurde, beantworte der Stiftungsvorsitzende nicht. Er schrieb an Bürgermeister Löffler, dass er sich schon selbst kümmern werde.

Von einem Kostenvoranschlag von der Firma Zeller (richtig: Weißer und Zeller) zur Gesamtsanierung des Pavillons, auf den Schauwecker angeblich noch wartet, weiß diese laut Bürgermeister Löffler nichts. Die Firma warte noch auf ein Konzept zum Umfang des Angebots, hat der Bürgermeister erfahren.