Ehemaliger über Maria Tann entsetzt

Von Schwarzwälder-Bote Oberndorf, 17.08.2010

Von Hella Schimkat Unterkirnach

Es gibt immer wieder Menschen, die früher bei den Schulbrüdern in Maria Tann zur Schule gingen und jetzt, nach vielen Jahren, der ehemaligen Klosteranlage immer wieder einen Besuch abstatten.Sie können nicht verstehen, dass man die Gebäude verfallen lässt. So erging es vor einigen Wochen Wolfgang Rose, Sonderschulrektor aus Schöneiche bei Berlin. Beim Schwarzwälder Boten sowie Unterkirnachs Bürgermeister Gerold Löffler drückte er unter anderem sein Entsetzen über den Zustand des hinter den Gebäuden liegenden Waldfriedhofes aus.

Inzwischen weiß Wolfgang Rose, dass das Forstamt Villingen-Schwenningen die Pflege des Waldfriedhofes übernehmen wird, denn das Gelände liegt auf Gemarkung Villingen. Wolfgang Rose war von 1959 bis 1963 Juvenist in Maria Tann. Das Juvenat ist die Vorstufe des Noviziats.

"Die Jahre in Maria Tann haben mich stark geprägt", erklärte er im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten. Der Ort sei für sein Leben wegweisend gewesen. In Maria Tann wurden ihm Werte und Normen vermittelt, betonte er. Damals habe er in das Noviziat eintreten wollen. Er sei 18 Jahre alt und damit zur damaligen Zeit noch nicht volljährig (21 Jahre) gewesen. "Meine Mutter verweigerte mir ihre Unterschrift, sodass ich nicht in das Noviziat eintreten konnte", erinnerte sich Rose.

Nach 50 Jahren kehrte er als Tourist nach Unterkirnach zurück, um Maria Tann zu besuchen. Es wurde zwar gerade die Einhausung mit den an der Bildungsakademie in Waldshut bemalten Bildern am Wandelgang angebracht. Dies konnte den ehemaligen Schüler aber nicht trösten.

Der Zustand der Klosteranlage sei für ihn bedrückend, erklärte er und bedauerte, dass er mit seinen bescheidenen Mitteln daran nichts ändern könne. Erschreckend sei für ihn auch der Zustand des Waldfriedhofes, auf dem 36 Brüder beigesetzt wurden, sagte er. Allein neun dieser auf dem Waldfriedhof beigesetzten Brüder seien ihm persönlich bekannt gewesen.

Pater Pius habe er mit seinen Mit-Juvenisten vom Kloster zum Waldfriedhof zur letzten Ruhe getragen, erinnerte er sich. Rose ist froh, dass sich das Forstamt VS für die Pflege des Waldfriedhofs einsetzen will. Er wünsche sich, dass diese Menschen, die ihr ganzes Leben der Zukunft und geistigen Erziehung der Jugend gewidmet haben, wieder eine würdige Ruhestätte bekommen, wie es in der Vergangenheit der Fall war.

In seinen Schreiben erklärt er, dass er bereit sei, jedes Jahr einen finanziellen Beitrag für die Pflege des Waldfriedhofes Maria Tann zu spenden. Er bat Bürgermeister Gerold Löffler ihm mitzuteilen, ob ein Spendenkonto eröffnet werden könnte. Er sei davon überzeugt, dass es noch Menschen gebe, die den Schulbrüdern verbunden seien. Gerold Löffler erklärte gegenüber dem Schwarzwälder Boten, dass er sich in einem Schreiben an Wolfgang Rose für dessen Einsatz bedankt habe. Er wolle noch abwarten, bis Forstdirektor To­bias Kühn aus dem Urlaub zurück sei, um mit ihm zu besprechen, ob das Forstamt oder die Gemeinde ein Spendenkonto eröffnen würden.